fbpx

Wird Kühlen bald so wichtig wie Heizen?

Das Bedürfnis nach Kühlung in Gebäuden nimmt auch hierzulande zu. In Zukunft könnten Gebäude dadurch markant mehr Energie verbrauchen.

Hauptaufgabe eines Gebäudes ist es, gegen Wind und Wetter zu schützen. Die wichtigsten Elemente dazu sind in unseren Breitengraden eine dichte, möglichst gut gedämmte Gebäudehülle sowie ein Heizsystem. Allerdings: In den letzten Jahren haben die Hitzetage insbesondere im urbanen Raum zugenommen. An solchen Tagen steigen die Aussentemperaturen über 30° Celsius, im Innenbereich klettert das Thermometer nicht selten über 25° Celsius. Studien haben gezeigt, dass die Arbeitsleistung dadurch um 30 bis 50 % sinkt. Während Überhitzungsstunden – das sind Temperaturen von über 33° Celsius – fällt die Leistung sogar deutlich unter 50 % ab. Unter den hohen Temperaturen leidet zudem die Gesundheit, und die Sterblichkeit steigt.

Urbaner Raum als Hitzespeicher
Doch warum überhitzen Siedlungsgebiete zunehmend? Neben dem Klimawandel ist der Wärmeinseleffekt (UHI, urban heat island) ein treibender Faktor. Durch das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahrzehnte sind die bebauten Flächen nicht nur gewachsen, sondern zunehmend verdichtet worden. Das bedeutet: mehr Dach- und Fassadenflächen und mehr Strassen. Sie nehmen die Wärmestrahlung der Sonne wesentlich besser auf als bewachsene Flächen und Gewässer – und werden damit zu Wärmespeichern, welche die natürliche Nachtabkühlung behindern. Ein Beispiel dafür ist die Europaallee beim Zürcher Hauptbahnhof: Selbst an einem milden Tag mit 26 Grad Lufttemperatur erwärmt sich der Boden dort auf 42 Grad, bei 30 Grad Lufttemperatur sind es sogar 52 Grad (NZZ vom 15.08.2022).

Tropennächte verdoppeln sich
Die Hitzeproblematik dürfte sich in den nächsten Jahrzehnten verschärfen. So gelangen das Bundesamt für Energie und die Hochschule Luzern in der Studie «ClimaBau – Planen angesichts des Klimawandels» zum Schluss, dass die Mitteltemperaturen in allen Regionen und zu allen Jahreszeiten ansteigen werden. Je nach Szenario und Region rechnet man mit Temperaturerhöhung von drei bis fünf Grad Celsius. Bis ins Jahr 2060 könnte sich die Anzahl Überhitzungsstunden – also Temperaturen von über 33° Celsius im Innenbereich – auf durchschnittlich 1200 pro Jahr erhöhen und die Anzahl Tropennächte verdoppeln.

Kühlen: das neue Heizen
Die steigenden Temperaturen machen Gebäudekühlung immer wichtiger. Die in der Studie prognostizierte Energiemenge fürs Kühlen könnte bis 2060 in Altbauten auf 30 bis 40 % der Heizleistung steigen, in Neubauten sogar auf 50 %. Wobei in absoluten Zahlen der Energieverbrauch für Heizen und Kühlen in einem Neubau natürlich wesentlich geringer ist, als in einem Altbau. Das bedeutet: Zunehmend müssen Gebäude in der Schweiz nicht nur beheizt, sondern auch gekühlt werden. Im extremen Fall wird sich so der Energiebedarf eines Hauses verdoppeln.

Bauen unter Klimawandel
Aus energetischer Sicht sollten Klimaanlagen das letzte Mittel sein, um Gebäude vor Überhitzung zu schützen. Vorher kommt angepasste Siedlungs- und Umgebungsplanung mit möglichst vielen Grünflächen und offenen Gewässern – diese sorgen durch Wasserverdunstung für stetige Kühlung. Und auch auf die Architektur und eine intelligente, aber einfache Gebäudetechnik kommt es an: Helle Fassaden erhitzen sich beispielsweise deutlich weniger als dunkle; Vordächer und Leibungen können einen passiven Sonnenschutz gewähren. Begrünte Fassaden können diese Ansätze sogar kombinieren, sind jedoch unterhaltsintensiver. Fassaden sind also ein entscheidender Erfolgsfaktor, um den sommerlichen Wärmeinseln zu begegnen.

  • David Belart

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.